Politik

Transparente Pazifik-Partnerschaft

Die TPP-Verträge kann man jetzt online lesen, weil nämlich nur gute Sachen drin stehen: http://readthetpp.com

paradoxes Marktverhalten

Es lässt sich zusammenfassen: Wer TTIP befürwortet, ist auch für Geoblocking im Internet. Wer gegen TTIP ist, der lehnt auch Geoblocking ab. – Offene Frage: Ist das der Unterschied zwischen liberal und marktliberal – oder gibt es da einfach keinen Zusammenhang?

Generalstreik das Leben lang! Lebenslänglich Generalstreik!

aufruf-generalstreik-1929
/via: drstefanschneider.der

Chancen, Freiheit, Pustekuchen

Heiko Maas, der Justizminister den man irgendwie seit einem halben Jahr nicht als solchen wahrnimmt, lamentiert in der FAZ, aus welchen Gründen man das geplante Freihandelsabkommen TTIP so gottverdammt nochmal prima finden soll wie er.

Zwar habe es „in der Vergangenheit […] Kritik daran [gegeben], wie die EU-Kommission den Verhandlungsprozess um dieses große Vorhaben organisiert“ habe, doch „Das ist vorbei.“
Ja, so kann man es natürlich auch machen, die Debatte für beendet erklären, das ist ja en vogue in Fragen der transatlantischen Beziehungen. Schließlich sieht der Minister seine Aufgabe auch darin „für gesellschaftliche Akzeptanz zu sorgen.“ Da staunt der Souverän, der in seiner grenzenlosen Naivität bislang angenommen hatte, die Aufgabe der gewählten Volksdienerschaft bestünde darin, seinen (also des Wählers) Wünschen nachzukommen. Sich also zum Beispiel auf EU-Ebene gegen ein Freihandelsabkommen stark zu machen.

Leider versäumt Maas es in dem Gespräch dann auch allzuviel anzuführen, wozu das Freihandelsabkommen denn letztlich gut sein soll. Stattdessen wird nur beschwichtigt, dass ja alles nicht so schlimm werde, wie angenommen. Schiedsgerichte, das sagt er „ganz klar“, würden nicht gebraucht, weil er die für unnötig halte (ob das die Damen und Herren Investoren, die ihre noch zu schaffenden Rechte einklagen wollen dann auch so sehen werden, steht freilich auf einem anderen Blatt, aber was soll man sich zu sowas äußern?). Der Verbraucherschutz werde schon nicht eingeschränkt werden, wenngleich es darum in den USA nicht gut bestellt sei, die Kultur werde nicht auf amerikanisches Niveau kommerzialisiert und so weiter und so bla. Aber wozu dann das alles?

Achso ja, billigere Elektronik, das sei für den europäischen Verbraucher drin. Wünschen wir uns ja alle, denn daran mangelt es schließlich:

Internet in Deutschland

Ein Raster der 1000 beliebtesten YouTube-Videos. Rot sind jene Videos markiert, die in Deutschland nicht abrufbar sind, grau diejenigen die angesehen werden können.

In Deutschland Gesperrte YouTube-Videos | Bild: opendatacity.de

61,5% der eintausend weltweit meistgeklickten YouTube-Videos sind von Deutschland aus nicht erreichbar [via], weil Gema und Google sich auf kein Verwertungsmodell einigen können. Auch wenn man, wie ich, durchaus bereit ist die Standpunkte beider Seiten gelten zu lassen, ist es doch erschreckend illustriert zu sehen, wie stark die deutsche Technophobie eine der wichtigsten technikkulturellen Entwicklungen der letzten zehn Jahre beschränkt.

Dass die „Dieses Video ist in Deutschland nicht verfügbar.“-Meldung dabei nur die für alle sichtbare Spitze des Eisbergs ist, ist leider auch kein Trost. Deutschland ist ein Land, indem in dem der gefühlt erfolgreichste Zweig der IT-Branche die Abmahnindustrie ist.

Ein völlig absurdes Leistungsschutzrecht, der schwelende Konflikt um die Netzneutralität und ein TelekomMunikationsanbieter, der (obwohl er jedem Haushalt mit Festnetz- oder DSL-Anschluss runde 10€ Leitungsmiete im Monat berechnet) ein nach eigenem bekunden marodes Leitungsnetz betreibt, das ab spätestens 2016 nur noch gedrosselt betriebsfähig gehalten werden kann: Das ist das Internet, wie es hier von Staat und Gesellschaft gesehen und betrieben wird. Hurra!

#FitchTheHomeless


DirektFitchen /via: morgenwirdgestern

Das ließe sich sicherlich auch für diverse andere Scheißprodukte adaptieren.

Ross reißt Reiter

Warum man sich als Döner-, Currywurst- und Frikadellenkonsument von ein bisschen Pferdefleisch im Dosengulasch aus der Ruhe bringen lässt, hat mir auch noch keiner sagen können.

Auch Kathrin Hartmann und Lydia Klöckner sind von der Panik ums närrische Rössel verwundert:

Menschen, die regelmäßig das Fleisch von Kühen, Schweinen, Schafen, Ziegen, Hasen, Rehen, Hirschen, Elchen und ihren Babys essen, von Puten, Hühnern, Enten, Straußen, Fischen, Krebsen, Octopussen und Muscheln, regen sich darüber auf, dass sie Fleisch vom Pferd gegessen haben.

Kathrin Hartmann „Die absolute Lächerlichkeit des ‚Pferdefleischskandals'“

Natürlich ist es Betrug, billiges Pferdefleisch als Rindfleisch zu verkaufen. Härtere Strafen, schärfere Kontrollen und eine strengere Überwachung der Lieferwege können das Problem vorübergehend aus der Welt schaffen. Allerdings stützen sich diese Maßnahmen auf die Annahme, die Schuld an dem Debakel treffe allein die profitgierigen Händler. Uns Verbraucher dagegen spricht man mit Begriffen wie „Betrug“ oder „Verbrechen“ von aller Verantwortung frei. So nehmen wir eine Opferrolle ein, die uns eigentlich nicht zusteht.

Lydia Klöckner „Fleisch muss wieder Luxusgut werden“

politische Farbenlehre 2013

Vier Kreise. Ein schwarzer und ein gelber die sich überlagern und ein grüner und ein roter, die sich ebenfalls überlagern. Die Schnittmengen haben die selbe Farbe.

via: @formschub

Luddismus

The Leader of the Luddites

The Leader of the Luddites, 1812


„Anti-Luddit!“, werde ich den konterrevolutionären Kombatanten künftig keuchend entgegenkeifen.

Einen Fliegenschiss für die Umwelt

Hurra! Die Industrienationen verdoppeln bis 2015 ihre Bemühungen um den internationalen Natur- und Artenschutz. Zusammen werden sie dann jährlich die unfassbare Summe von 10 Milliarden Dollar locker machen, um die Ökosysteme in Entwicklungsländern zu erhalten. Das bedeutet also, dass dann jede der im Moment 34 sogenannten Industrienationen pro Jahr runde 300 Millionen Dollar spendieren wird. – Das ist das Ergebnis von zwei Wochen „hartem Ringen“ auf der UN-Artenschutzkonferenz (CBD).

Zum Vergleich: Der Preis, den Facebook dieses Jahr für die Photoplattform Instagram bezahlt hat, betrug eine Milliarde Dollar. Die Kosten, die allein den USA jedes Jahr für den Afghanistan-Feldzug entstehen, liegen bei rund 100 Milliarden Dollar.

(und ja, natürlich tun diese 34 Industrienationen auch noch andere Dinge für Umwelt- und Artenschutz, diese zehn Milliarden Dollar pro Jahr aber als gigantischen Fortschritt zu verkaufen, das ist schon sehr albern)